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15.03.2017

Alles ab, was nach innen wächst

Erwin Heckelmann (rechts) und sein Kollege Stefan König schneiden die Obstbäume auf einer Wiese in der Eppenau. Der Schnitt dient vor allem der Erhaltung der Bäume, es geht weniger um den Ertrag.

Handarbeit ist angesagt. Motorsäge und Obstbäume, das passt nicht zusammen. Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die Obstbäume der Stadt zurückschneiden, dann kommen Astscheren und Handsägen zum Einsatz – und natürlich Leitern ganz unterschiedlicher Länge.

„Alles abschneiden, was nach innen wächst“, sagt Erwin Heckelmann. Er ist Vorarbeiter der Gärtnerkolonne, die die Obstbäume schneidet. Der Mann lässt es ruhig angehen. Obstbäume schneiden und Hektik verbreiten, das geht nicht. „Nah an den Knospen schneiden“, ist ein zweiter Tipp des Fachmanns. Er setzt die Schere an, drückt zu und dann fällt das Aststück runter. Es braucht Zeit, einen Obstbaum zu schneiden.

Früher sind die Schnittstellen noch mit einem Wundschlussmittel behandelt worden, das wird heute nicht mehr gemacht. „Schnittstellen mit einem Durchmesser von sechs bis acht Zentimeter verkraften die Bäume noch sehr gut“, sagt Heckelmann. Werden die Schnittstellen größer, dann entstehen dort oft Faulstellen. Auch deshalb ist es notwendig, den Obstbaumschnitt regelmäßig vorzunehmen. Alle zwei Jahre sollte jeder Baum geschnitten werden, das ist das Ziel der Stadtgärtner. Das wird nicht immer erreicht. Immerhin sind es über 1000 Bäume, die der Stadt gehören.

„Es sind vor allem Apfelbäume“, sagt Matthias Beul, Leiter der Stadtgärtnerei. Streuobstwiesen finden sich in jedem Stadtteil. Es sind Äpfel älterer Sorten. Oft informieren Schilder auch über die Streuobstwiesen und laden zum richtigen Ernten ein. Tipps und Hinweise sind heute notwendig, denn wenn Äste bei der Ernte abbrechen, dann sind die Bäume stark geschädigt. Die Apfelbäume sind ganz klar in der Mehrzahl, es gibt auch einige Birnbäume und einige wenige Bäume mit Steinobst.

Geschnitten wird parzellenweise. In diesem Jahr sind unter anderem die Bäume in Linter an der Reihe und in der Eppenau. „Wir schneiden nicht auf Ertrag, die Stadt ist kein Obstanbauunternehmen“, so Beul weiter. Der Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung der Bäume. Alte Äste kommen raus, die Kronen werden stabilisiert und damit die Lebenszeit verlängert. Und Obstbäume können schon alt werden. Dabei bleiben sie lange standsicher, selbst wenn der Stamm schon hohl wird.

Beul gewinnt diesem Übergang viel Positives ab. Alte Bäume dienen als sogenannte Habitat- oder Biotopbäume, sie werden Lebensraum für Vögel, Insekten, andere Pflanzen und Mikroorganismen. Besonders gut lässt sich dies nach Angaben von Beul an der Streuobstwiese in der Nähe des Vereinsgeländes des VfR 1919 beobachten. Und auf diesen Wiesen können Bäume auch einmal umfallen, ohne dass Schaden angerichtet wird.

Alles Handarbeit im Baum. Nur mit Astschere und Baumsäge führt Stefan König den Schnitt der Obstbäume aus.

Ohne Leitern haben Erwin Heckelmann und seine Kolonne keine Chance. Hier und da ist auch noch einmal ein Schnitt vom Boden aus möglich, aber in die Bäume hinein geht es nur mit Leiter. Und die müssen auch noch häufig umgestellt werden, um alle Stellen in den Kronen zu erreichen. „Zwei Stunden für einen großen Baum“, sagt Heckelmann über die Arbeitszeit. Die Frage nach der Motorsäge verbietet sich. „Motorsägen haben beim Obstbaumschnitt nichts verloren“, sagt der Vorarbeiter. Die Kette sorgt für einen unsauberen Schnitt, für Verletzungen am Baum.

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