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Die Kirche bleibt im Dorf, das Rathaus in der Stadt – und dennoch könnten Kirche und Rathaus bald enge Nachbarn am Stadtrand sein und den Standort eines Unternehmens übernehmen, das Limburg verlässt. „Dass Mundipharma geht, ist ein großer Verlust. Aber für uns als Stadt könnte daraus auch eine Chance erwachsen“, macht Bürgermeister Dr. Marius Hahn deutlich. Die Stadt hat Interesse an der Übernahme der Verwaltungsgebäude der Mundipharma GmbH.

Die Verwaltungsgebäude von Mundipharma: Für das linke Gebäude interessiert sich die Stadt, das Bistum überlegt, das rechte Gebäude zu nutzen. Das Kongresszentrum in der Mitte gehört ebenfalls zu den Gebäuden, die verkauft werden sollen. Auch für dessen Nutzung gibt es schon Interessenten. Bildhinweis: Mundipharma GmbH

„Auch die bischöfliche Verwaltung prüft derzeit verschiedene Varianten, um den akuten Raumbedarf abzudecken, der mit Blick auf den Sanierungsbedarf des Verwaltungsgebäudes Roßmarkt 12 und des Katharina-Kasper-Hauses in der Graupfortstraße entstanden ist“, so Generalvikar Wolfgang Rösch. Das Bistum und die Stadt stehen daher in engem Austausch.

Rund elf Millionen Euro sind als Kaufpreis für das Areal mit den zwei Türmen, dem Konferenzzentrum und einer noch unbebauten Fläche von rund 2,2 Hektar aufgerufen.

Rathaus bleibt in der Stadt

Also verlässt das Rathaus doch die Innenstadt? „Nein“, sagen Bürgermeister Hahn und der Erste Stadtrat Michael Stanke übereinstimmend. „Das alte Rathaus bleibt auf jeden Fall als zentrale Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger mitten in der Stadt erhalten“, so Stanke. Dort soll, im Falle eines Umzugs, mit Hilfe eines Bürgerbüros nahezu alles angeboten werden, was für die Bürgerinnen und Bürger wichtig ist. Dazu ist es natürlich notwendig, das alte Rathaus barrierefrei zu gestalten und zu sanieren. Im Obergeschoss sollen dann der große Sitzungssaal und die Fraktionsräume beibehalten werden, weitere Kapazitäten stehen auch im Dachgeschoss noch zur Verfügung. Das Ordnungsamt wird in der Innenstadt und damit am Bahnhofsplatz bleiben, auch die Belegung des Brüderhauses mit Standesamt und dem Amt für Soziale Betreuung soll nicht geändert werden.

Ziel ist es, von der Stadtverordnetenversammlung am 19. März einen Auftrag zu erhalten, um ernsthaft weiter verhandeln zu können, macht der Bürgermeister deutlich. Dem Magistrat sind die Überlegungen vorgestellt worden, in der kommenden Woche gibt es dazu eine Vorlage. Auch dem erweiterten Ältestenrat mit den Vorsitzenden der Fraktionen und den Ausschussvorsitzenden sind die Pläne vorgestellt worden. Bis zur Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wird sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema befassen.

Passende Nutzung finden

Zieht die Verwaltung auf die Dietkircher Höhe um, gibt es für das Gebäude des neuen Rathauses keine Verwendung mehr. „Für das Gebäude soll es eine Ausschreibung geben mit dem Ziel, eine passende Nutzung zu finden“, macht Hahn deutlich. Dabei gibt es durchaus schon „Wunschvorstellungen“. Das neue Rathaus könnte sich zu einem Hotel wandeln und somit in direkter Nachbarschaft zur Stadthalle die Attraktivität der zentralen Mitte nochmals steigern. „Wir haben durchaus schon positive Signale von möglichen Investoren und Betreibern vernommen“, verdeutlicht Hahn.

Handlungsbedarf gibt es im Limburger Rathaus durchaus, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukunftsfähig zu gestalten. „Es ist eine Riesenchance für uns, zahlreiche vorhandene Probleme damit zu lösen, in ein bestehendes Bürogebäude mit modernster Technik umzuziehen“, verdeutlicht Hahn. Kein Risiko bei einer Sanierung, keine Bauzeiten, die sich verschieben, keine Suche nach Übergangslösung für die Rathaus-Mannschaft. All dies würde eintreten, wenn das neue Rathaus saniert oder am Standort neu gebaut werden müsste.

Wirtschaftlichste Lösung

Das Areal aus der Luft. Neben den Verwaltungsgebäuden gehört auch noch die Produktionsstätte zu den von Mundipharma genutzten Gebäuden. Die Produktion übernimmt Fidelio Healthcare.

„Was wir nun anstreben, ist die wirtschaftlichste aller Lösungen“, so der Bürgermeister. Der Kaufpreis von knapp elf Millionen Euro umfasst die beiden Verwaltungsgebäude sowie das Konferenzzentrum und eine Freifläche, die gegebenenfalls noch vermarktet werden oder für eigenen Bedarf zur Verfügung stehen. Die angestrebte Lösung sieht vor, dass die Stadtverwaltung das neuere der beiden Verwaltungsgebäude nutzt. Dort stehen 2474 qm Bürofläche sowie weitere Flächen zur Verfügung. Nach einer ersten Prüfung könnten in dem Gebäude 131 Arbeitsplätze untergebracht werden, zudem drei Besprechungsräume und ein Sitzungszimmer, ein EDV-Schulungsraum und neun Funktionsräume.

„Die Bedingungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden sich deutlich verbessern“, ist der Erste Stadtrat Michael Stanke überzeugt. Die dort zur Verfügung stehenden Räume sind größer als im neuen Rathaus, so dass auch Arbeitsplätze für Praktikanten, Azubis und Referendare geschaffen werden können. Und von der technischen Seite ist die Ausstattung auf einem sehr guten Stand.

Beratung im Bistum

Die Rahmenbedingungen für ein entsprechendes weiteres Vorgehen bezeichnen Hahn und Stanke als überzeugend gut. Mit dem Bistum würde ein verlässlicher Partner zur Verfügung stehen, der sich vorstellen könne, das von ihm genutzte Verwaltungsgebäude selbst zu erwerben. Nach einer ersten Besichtigung der Räumlichkeiten wird das Bistum nun eine vertiefte Prüfung beginnen, um wirtschaftliche und bautechnische Fragen zu klären, so der Finanzdezernent des Bistums, Gordon Sobbeck. Nach dieser Prüfung werden sich noch die zuständigen Gremien des Bistums mit der Angelegenheit befassen und über die weitere Vorgehensweise entscheiden.

Für den Produktionsstandort von Mundipharma hat sich vor wenigen Tagen mit Fidelio Healthcare ein Unternehmen gefunden, das dort investieren und zudem noch Bürofläche in dem Konferenzzentrum nutzen möchte. Das Paket wird nach Angaben der Stadt ergänzt und abgerundet durch die Absicht von Fidelio Healthcare, die bestehende Kantine auf dem Areal zu verpachten.

Einige Baustellen

Sollte es zu dem Umzug kommen, sind natürlich noch einige Baustellen abzuarbeiten. Nach Angaben von Stanke gehört zum Beispiel die Verbesserung des ÖPNV-Angebots dazu, denn der Standort auf der Dietkircher Höhe ist noch nicht besonders gut angebunden. Das Areal auf dem Mundipharma-Gelände ist an das städtische Netzwerk anzuschließen, bisher endet es kurz vor der alten Lahnbrücke. Eine Anbindung des Priesterseminars und der Polizeidirektion steht aber ohnehin schon auf der Liste. Auch sind noch genauere Untersuchungen im Hinblick auf die Unterhaltungs- und Energiekosten notwendig.

Geld in die Hand nehmen muss die Stadt ohnehin, die Sanierung des neuen Rathauses, soll es weiter genutzt werden, lässt sich nicht länger aufschieben. Die energetische Mängelliste ist lang, die Verbrauchswerte an Strom und Wärme liegen über dem Durchschnitt, Dämmung ist angesagt, die komplette Anlagen- und Heizungstechnik ist zu erneuern, Mängel im Bandschutz gibt es ebenfalls und mehr Platz wird auch noch benötigt.

Projekt ist zu stemmen

Verschiedene Varianten sind untersucht und kalkuliert worden. Ein Abbruch und Neubau an gleicher Stelle würde mit knapp 13 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine Aufstockung und Sanierung ist mit rund acht Millionen kalkuliert, der Neubau an einer anderen Stelle auf rund 13,7 Millionen Euro beziffert und der Kauf des Mundipharma-Areals kommt auf rund elf Millionen Euro, wobei ein möglicher Einstieg des Bistums dabei noch nicht mit eingerechnet ist. Werden die Projektkosten durch die Bruttogeschossfläche geteilt, ist der Ankauf der Mundipharma-Gebäude mit deutlichem Abstand die günstigste Lösung.

„Die Nachricht von der Schließung der Produktion und dem Abzug von Mundipharma vor über einem Jahr hat uns ins Mark getroffen, nun haben wir als Stadt die Möglichkeit, die Zukunft des Standorts aktiv mit in die Hand zu nehmen, die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich zu verbessern, zu einem neuen Rathaus ohne Bauzeit und Sanierungsrisiko zu kommen und gleichzeitig die Innenstadt mit einer entsprechenden Nutzung des neuen Rathauses aufzuwerten. Es liegt an uns, die Chance zu ergreifen“, so Bürgermeister Hahn. Die Stadt ist nach seinen Angaben in der Lage, dies auch finanziell zu schultern. Die positive Entwicklung mit einer deutlichen Verbesserung der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel mache einen Kauf ohne Neuverschuldung möglich.