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Geschichte

Kurzgefasste Limburger Geschichte von Stadtarchivar Christoph Waldecker

Von den Anfängen bis zum Ende der Isenburgischen Herrschaft

Limburg und das Limburger Becken sind als Siedlungsplatz sehr alt. Im Stadtgebiet und der näheren Umgebung wurden Besiedlungsspuren gefunden, die bis zu 35.000 Jahre alt sind. Cro Magnon-Menschen, jungsteinzeitliche Jäger, Angehörige der Michelsberger Kultur und der Urnenfeldkultur, aus der Eisenzeit und Latenézeit hinterließen ihre Spuren in der Region. Erst 2009 wurden auf dem Domfelsen Grabungsfunde gemacht, die auf eine Besiedlung in vorchristlicher Zeit hindeuten. Auch aus römischer und fränkischer Zeit haben sich vereinzelte Spuren erhalten. Darunter befinden sich Beweise, dass Gaius Iulius Caesar nach seinen Rheinüberquerungen in den Jahren 55 und 53 v. Chr. auf dem Greifenberg Marschlager errichten ließ. Dies fanden Archäologen 2012/2013 bei Grabungen im Bereich der geplanten neuen Autobahnbrücke heraus. Die ersten Spuren des Christentums im heutigen Stadtgebiet finden sich in Dietkirchen, wohin im 9. Jahrhundert die Reliquien des heiligen Lubentius aus Kobern an der Mosel übertragen wurden. Dietkirchen wurde damit ein erstes geistliches Zentrum und Stützpunkt der Trierer Kirche im Limburger Raum.
Die heutige Kernstadt trat am 10. Februar 910 aus dem Dunkel der Geschichte heraus. An diesem Tag stellte in Frankfurt am Main König Ludwig das Kind eine Urkunde aus. Mit dieser schenkt er dem Grafen Konrad Kurzbold den Herrenhof in Oberbrechen unweit Limburgs mit allem Zubehör, Gebäuden, Kirche, Zehnten, Gesinde, allen Weiden, Wiesen, Wäldern, Gärten und Feldern, Gewässer, Mühlen und Fischerei. Das Geschenk benötigte Konrad, um die Kirche, die er auf einem Berge, namens Lintburk im Lahngau zu errichten bemüht ist, auszustatten. Es war dies die erste urkundliche Erwähnung Limburgs. Bei der genannten Kirche handelte es sich um ein Kanonikerstift, dass der Graf in seiner Burg auf dem heutigen Domfelsen ansiedelte. Die Entwicklung der Stadtherrschaft ist für die Frühzeit nicht völlig deutlich. Die Konradiner starben 966 mit dem Tod des Grafen Eberhard aus.
Für die folgenden eineinhalb Jahrhunderte ist über die Machtverhältnisse an der Lahn wenig bekannt. Das Limburg umgebende Land kam unter die Herrschaft der Grafen von Diez, die spätestens ab 1074 das führende Geschlecht in dieser Region waren. Limburg nahm allerdings eine andere Entwicklung. 1036 erbten die Luxemburg-Gleiberger als Verwandte der Konradiner die Herrschaft. Von ihnen übernahm sie im Laufe des 12. Jahrhunderts die Grafen von Peilstein-Kleeberg-Mörle, dann die Grafen von Leiningen. Es begann eine Zeit des wirtschaftlichen und technischen Aufstiegs. Dies wird etwa deutlich am Bau der hölzernen Lahnbrücke, der um 1160 begann. Spätestens ab 1227 wurde hier Zoll erhoben. Bis 1905 musste für das Passieren der Brücke ein Obolus entrichtet werden. Über Jahrhunderte hinweg war dies eine der wichtigsten Einnahmequellen der Stadt.
Um 1232 wurde das Limburger Franziskanerkloster gegründet. Es ist eine der frühesten Niederlassungen des Ordens in Deutschland. Ungefähr zu dieser Zeit wurde die erste Stadtmauer errichtet. Limburg hatte spätestens jetzt alle Merkmale einer Stadt: Markt, Siegel und Mauer. Das bis heute bedeutsamste Bauwerk wurde 1235 fertig gestellt: Die Stiftskirche, der heutige Dom mit dem Patronat St. Georg.
Ab Anfang des 13. Jahrhunderts stand Limburg unter der Herrschaft der Isenburger, die die Pfalzgrafenfamilien Peilstein und Leiningen beerbt hatte. 1219 ist Heinrich von Isenburg (1179–1220) als Inhaber der Herrschaft Limburg genannt. Limburg nahm unter den Isenburgern einen deutlichen Aufschwung. Dies vermerkte auch Tilemann Elhen von Wolfhagen, der Verfasser der Limburger Chronik, eines Meisterwerkes mittelalterlicher Historiographie: In dieser Zeit stand Limburg die Stadt und Bürgerschaft in gar großen Ehren und Glückseligkeit von Leuten und Reichtum, heißt es da.
1279 wurden die Rechte von Stadtherrn und Bürgern erstmals fixiert. Dem Stadtherrn stand danach das Befestigungs- und Öffnungsrecht von Burg und Stadt zu, er erhielt die Einkünfte aus Zöllen, Markt und Bede (direkte Steuer auf Grundbesitz). Die Bürger genossen im Gegenzug Freizügigkeit und Eigentum, Gerichtsstand und Appellationsmöglichkeiten sowie Steuerhoheit.
1289 erlebte Limburg eine seiner größten Katastrophen, als es durch einen Brand fast völlig zerstört wurde. Das Gemeinwesen bestand aber weiter, und 1315 begann der Bau der steinernen Lahnbrücke, nachdem die Holzkonstruktion mehrfach Hochwasser und Eisgang zum Opfer gefallen war.
Zu einer anders gearteten Katastrophe kam es in der Mitte des 14. Jahrhundert mit dem Wüten der Pest. Tilemann beschrieb dies in der Limburger Chronik: … in den kleinen Städten wie Limburg starben alle Tage zwanzig oder vierundzwanzig oder dreißig … Und starben zu Limburg mehr denn vierundzwanzighundert Menschen, ausgenommen Kinder.
Doch auch diese Katastrophe überstand Limburg und blühte weiter. Sinn für das Gemeinwohl tat ein Übriges zur Entwicklung der Stadt. 1358 vermachte der wohlhabende Kaufmann Werner Senger sein Vermögen dem Hospital, wo Arme und Alte sowie Pilger Aufnahme fanden. Es sollte dies bis in die Gegenwart die größte Stiftung bleiben, die Limburg je erhielt.

Unter der Herrschaft Kurtriers

Einen deutlichen Einschnitt in der Geschichte der Stadt markiert das Jahr 1406: Mit Johann II. starb der letzte Isenburgische Stadtherr. An die Stelle der Dynastie trat nun nach einer Übergangszeit Kurtrier, dem Limburg bereits seit 1344 verpfändet war. Der Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain (1419–1430) hatte aufgrund seiner Verwicklung in die Hussitenkriege einen großen Finanzbedarf und verpfändete seinerseits die Hälfte Limburgs an Junker Frank von Cronberg. Die Bürger konnten sich aber mit diesem Mitherrscher nicht anfreunden, so dass es zu Unruhen kam. 1435 trat der Cronberger daher die Pfandschaft an den Landgrafen Ludwig I. von Hessen ab. In der Folgezeit kommt es zu einer Aufsplitterung der Herrschaft durch weitere Verpfändungen. Ab 1482 waren es dann wieder nur Kurtrier und die Landgrafschaft Hessen, die sich die Limburger Herrschaft teilten. 140 Jahre lang sollte dieser Zustand anhalten, ehe 1624 Erzbischof Philipp Christoph von Soetern die hessische Hälfte wieder einlöste und Limburg so nach fast 300 Jahren geteilter Regierung nur noch einen Herrn hatte.
Mit dieser Zeit der politisch-finanziellen Umwälzungen war auch ein Abstieg der Stadt verbunden. Eine Patrizierschicht hatte sich in Limburg etabliert, aus der sich Ratsmitglieder, Schöffen und Bürgermeister rekrutierten. Dagegen hatte sich die Situation der Handwerker und kleinen Händler verschlechtert. Zwischen ihnen und dem Rat entwickelten sich Spannungen, doch es bedurfte eines Anstoßes von Außen, ehe sie sich entluden: 1525 zitierte der Kurfürst zwei Ratsmitglieder und zwei Vertreter der Bürgerschaft nach Ehrenbreitstein, wo sein Kanzler ihnen vorhielt, in der Stadt gebe es einen lutherischen Prediger. Die Limburger sollten darauf achten, sich die Gnade des Kurfürsten zu erhalten. Dies führte unter der Bürgerschaft zu heftiger Erregung und schließlich zu 30 Artikeln, die dem Rat vorgelegt werden. Die Beschwerden bezogen sich dabei auf die Rechnungsführung des Rates, auf die doppelte Besteuerung des Weins und weitere Punkte. Der Rat nahm die Artikel an, vorbehaltlich der Zustimmung des Kurfürsten. Der wies die Forderungen der Bürger zurück und bestimmte, dass der Rat künftig nur noch dem Stadtherrn gegenüber Rechenschaft ablegen müsse. Die Masse der Bürger war damit nun für Jahrhunderte von jeglicher Mitregierung der Stadt ausgeschlossen.
Das bedeutendste Rechtsdenkmal in der Limburger Geschichte entstand 1548: Das Stadtbuch „Ordenung der Oberkeit“, in dem der Schreiber Georg Rauscher die Rechtsbestimmungen der Stadt zusammenfasste. Limburg reihte sich ein in die Gruppe der Städte, die ihre rechtlichen Bestimmungen niederschrieben und damit einen wichtigen Schritt hin zu mehr Rechtssicherheit vollzogen. Rauschers Verdienst bestand darin, dass er Quellen und Urkunden nicht nur abschrieb, sondern auch stilistisch bearbeitete. Die Bestimmungen begannen mit dem Rat und den Bürgermeistern. Die Vertreter der Bürger sollten Weisheit und Vernunft an sich haben und geneigt sein, den allgemeinen Nutzen zu fördern, heißt es darin. Durch die Darlegung der rechtlichen Bestimmungen gibt Rauscher differenzierte Informationen über die Stadt Limburg in der Frühen Neuzeit, die ohne dieses Werk nicht zur Verfügung stünden.
Vom Dreißigjährigen Krieg war Limburg schwer betroffen. Immer wieder zogen Truppen durch, Einquartierungen drückten die Bürger, marodierende Soldaten taten ein Übriges, das Los der Bevölkerung zu verschlechtern. Die Landbevölkerung floh aus den ungeschützten Dörfern, Felder wurden nicht mehr bestellt, so dass es zu Hungersnöten kam. 1631 plünderten schwedische Soldaten die Stadt, 1635 wurde sie erneut erstürmt. 1637 suchte die Pest die Region heim. Auch in den folgenden Jahrzehnten war Limburg aufgrund seiner zentralen Lage immer wieder von Durchmärschen und Einquartierungen betroffen. Ende des 18. Jahrhunderts zählte die Stadt mehr als 2000 Einwohner. Unter der kriegerischen Entwicklung in Folge der Französischen Revolution hatte auch Limburg zu leiden. 1796 trafen französische und österreichische Truppen in der „Schlacht bei Limburg“ aufeinander. Der dreitägige Kampf endete mit einem Rückzug der Franzosen.
Die großen politischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrafen auch Limburg. 1802 übernahm Friedrich-Wilhelm von Nassau-Weilburg die Herrschaft über die Stadt Limburg. Im Jahr darauf fiel das Stift St. Georg an das Haus Nassau-Usingen. Damit endete nach fast 900 Jahren die Geschichte dieser bedeutenden geistlichen Einrichtung. Für Limburg begann nun eine neue Zeit.

Unter der Herrschaft Nassaus

Nicht nur das St. Georg-Stift, sondern auch die übrigen geistlichen Institutionen in Limburg fielen der Säkularisierung zum Opfer. Das Franziskanerkloster blieb noch weitere zehn Jahre bestehen, bevor sein Ende 1813 kam. Der Herzog von Nassau zeigte sich aber insofern kompromissbereit in der Kirchenfrage, dass die Franziskanerkirche weiter für den Gottesdienst genutzt werden durfte. Das von den Mönchen geführte Gymnasium hingegen lief aus, und für die kommenden 25 Jahre war die Stadt ohne weiterführende Schule. Als letzte der alten geistlichen Einrichtungen wurde das von Franziskaner-Tertiarinnen bewohnte Kloster Bethlehem 1817 aufgelöst.
Ab 1818 wurde die Stadtbefestigung niedergelegt. Türme und Mauern wurden auf Abbruch verkauft. Lediglich der äußere Brückenturm, der Katzenturm und ein kurzes Mauerstück am Huttig blieben bis in die Gegenwart erhalten.
Eines der bedeutendsten Ereignisse der Limburger Geschichte vollzog sich am 11. Dezember 1827: Limburg wurde zum Bischofssitz erhoben. Der (evangelische) Herzog von Nassau wünschte für seine katholischen Untertanen ein Landesbistum. Dafür bot sich Limburg an aufgrund der jahrhundertealten Stiftskirche. Erster Bischof wurde Jakob Brand (1776–1833). Auch für die evangelischen Christen Limburgs gab es in dieser Zeit eine positive Entwicklung: 1831 erhielt sie erstmals ein eigenes Gotteshaus, die Kapelle in der Erbach.
Zu den markantesten Limburger Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts zählte zweifellos der dritte Bischof Peter Joseph Blum (1808–1884). 1842 jung ins Amt gekommen, wirkte er 42 Jahre lang. Sein Ziel war es, die Unabhängigkeit der katholischen Kirche gegenüber dem Staat zu wahren und auszubauen sowie die Modifizierung der Simultanschule. Nach der Revolution von 1848 verhärten sich die Fronten zum „Nassauischen Kirchenstreit“, in dessen Verlauf bis 1861 mehr als 30 Pfarrstellen nicht mehr besetzt wurden. Bischof Blum ließ neue Klöster gründen, darunter das der Vincentinerinnen in Limburg, die sich im 1850 gegründeten Hospital St. Vincenz in der Krankenpflege engagierten.
Limburg wuchs während des 19. Jahrhunderts kontinuierlich. 1850 zählte die Stadt 3625 Einwohner. 1866 waren es schon 4395. Es wurde nötig, die Stadt zu erweitern. Ab 1830 wurde der Neumarkt angelegt, wo bislang Gärten, Ställe und Scheunen waren. Am Kornmarkt wurde die Stadtmauer durchbrochen, später ganz niedergelegt. Am Ende dieses Bereichs befindet sich der Bahnhof. 1862 hatte die Lahntalbahn die Stadt erreicht, und zum Dank wurde der verantwortliche Ingenieur Moritz Hilf zum ersten Ehrenbürger Limburgs ernannt. Im gleichen Jahr wurde die Straßenbeleuchtung mittels Gaslaternen eingeführt.
Das letzte große Ereignis der Stadt in Nassauischer Zeit war die Einweihung der neu erbauten Evangelischen Kirche im Mai 1866. Nachdem die Zahl evangelischer Christen in Limburg stark gewachsen war, wurde die Kapelle in der Erbach zu klein, und es wurde ein Neubau geplant. An der damals von Alleebäumen gesäumten Schiede fand die Gemeinde ein passendes Grundstück, direkt gegenüber des noch jungen Bahnhofs. Der Bau wurde im Stil der Neogotik errichtet und im Mai 1866 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung festlich eingeweiht.
In Folge des preußisch-österreichischen Krieges 1866 hatte Herzog Adolf von Nassau sich auf die Seite der Österreicher geschlagen. Er verlor nach der Niederlage seiner Verbündeten sein Herzogtum und musste ins Exil gehen. Für Limburg begann nun die Zeit als preußische Stadt.  

Die Preußische Stadt

Am 8. Oktober 1866 übernahm Preußen nach dem gewonnen Krieg die Herrschaft in Nassau. Dies geschah recht unspektakulär und ohne Widerstand der Bevölkerung. 1867 wurde die Verwaltung in den neuen preußischen Landesteilen reformiert, so dass nun die Kreiseinteilung wie im übrigen Staat durchgeführt wurde. Limburg wurde zunächst Teil des neuen Unterlahnkreises mit der Kreisstadt Diez. Am 18. April 1886 wurden die bisherigen zwölf Nassauer Kreise auf 18 erweitert. Der Kreis Limburg entstand neu, die Stadt wurde zum Sitz eines königlichen Landrates.
Die positive Entwicklung setzte sich fort, und die Bevölkerung wuchs weiter. Von 4502 Einwohnern 1870 stieg die Zahl auf 5797 im Jahre 1880. 1895 waren es bereits 7400, und 1910 deutlich über 10.000. Auch als Behördensitz gewann Limburg an Bedeutung. Bereits 1866 wurde das bisherige Poststelle zum Postamt, das 1888/89 einen imposanten Neubau an der Grabenstraße erhielt, wo es sich bis heute befindet. 1867 erhielt die Stadt ein Kreisgericht, 1876 ein Katasteramt. Per Gesetz wurde 1878 die Einrichtung eines Landgerichtes angeordnet.
Besondere Bedeutung als Arbeitgeber gewann das Ausbesserungswerk der Bahn, das 1862 gegründet wurde und bis 2002 bestand. Nach 1870 wuchs die Eisen verarbeitende Industrie stark an. Noch deutlicher zeigte sich die positive Entwicklung im Handel. Die Bebauung um den Neumarkt war immer dichter geworden, so dass am Ende des Jahrhunderts dort keine Viehmärkte mehr abgehalten werden konnten. So wurde 1899 der Marktplatz außerhalb der Stadt geschaffen.  
1884 wurden die ersten Wasserleitungen verlegt, und 1892 begann für Limburg das elektrische Zeitalter. Schnell erkannten Wirtschaft und Bevölkerung die Vorteile elektrischer Beleuchtung und Anlagen, so dass diese neue Energie rasch Fuß fasste.
Das Wachsen der Stadt machte auch eine größere Verwaltung nötig. 1899 wurde das neue Rathaus in der Werner-Senger-Straße fertig gestellt, das an die Stelle des bisherigen am Fischmarkt trat, von wo aus etwa 400 Jahre lang die Geschicke der Stadt gelenkt worden waren.
Limburg wurde in dieser Zeit auch eine Stadt der Schulen. 1874 entstand die Evangelische Höhere Töchterschule, die spätere Thau-Schule. 1895 wurde die Marienschule eröffnet, durch die katholische Mädchen in den Genuss höherer Bildung kamen. 1901 wurde das bisherige Progymnasium zum Vollgymnasium mit Realprogymnasium umgewandelt. Als Tilemannschule besteht diese Lehranstalt bis heute. 1905 erhielt die Schule einen Neubau am Schafsberg.
Das Wachsen der Limburger Bevölkerung brachte auch eine Vergrößerung der jüdischen Gemeinde mit sich. Um die Jahrhundertwende wurde die bisher als Synagoge genutzte Kapelle in der Erbach endgültig zu klein. So wurde 1903 an der Schiede eine neue Synagoge unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung eingeweiht.
Vom Ersten Weltkrieg war Limburg wie ganz Deutschland schwer betroffen. Die anfänglich auch hier wogende Begeisterung machte schnell einer großen Ernüchterung Platz. 285 Limburger fielen dem Krieg zum Opfer. In Dietkirchen entstand ein großes Kriegsgefangenenlager.
1918 schwappte die Revolution auch über Limburg, doch ging es wesentlich gemäßigter zu als in anderen Städten. Der Arbeiter- und Soldatenrat machte deutlich, dass er keine gewaltsame Umwälzung wolle, sondern die Zusammenarbeit mit der bestehenden Verwaltung. Oberstes Ziel war die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Die Zeit der Revolution verlief weitgehend ruhig, da auf spektakuläre Aktionen verzichtet wurde. In der Chronik der Volksschule ist ein vernichtendes Urteil über die Revolutionäre zu lesen: „Eine halb humoristische, halb traurige Erscheinung.“
Prägende Gestalt im Limburg der Zwanziger und frühen Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts war Bürgermeister Dr. Markus Krüsmann. 1919 wurde er gewählt und blieb im Amt, bis die Nationalsozialisten ihn 1933 daraus vertrieben. In seiner Zeit kam es zu bedeutsamen Ereignissen und Entwicklungen.
Limburg blieb nach dem Ersten Weltkrieg unbesetzt, ja hatte vorübergehend sogar eine „Hauptstadtfunktion“ inne, nämlich für den „Freistaat Flaschenhals“. Es war dies ein schmales Gebiet zwischen zwei rechtsrheinischen Besatzungszonen der Alliierten. Dazu gehörten die Orte Lorch, Kaub, Sauerthal, Ransel, Egenroth und andere. Die nächste unbesetzte Kreis- und Gerichtsstadt war Limburg, so dass der Regierungspräsident dem Limburger Landrat die Verwaltung des Gebietes übertrug. Im Februar 1923 machten französische Truppen diesem Zustand ein Ende, indem sie in den Freistaat einrückten und auch Limburg besetzten. Die von ihnen geförderten Separatisten, die einen unabhängigen Rheinstaat forderten, hatten aber hier wie andernorts einen schlechten Stand in der Bevölkerung.
1925 ging das städtische Elektrizitätswerk an der Niedermühle in Betrieb. 1927 wurde die Marienkirche der Pallottiner geweiht.
Im Februar 1929 ging der Südflügel des Schlosses in Flammen auf. Nur verkohlte Trümmer und Mauerreste blieben übrig. Erschwert wurden die Löscharbeiten durch die große Kälte, die das Wasser in den Schläuchen gefrieren ließ. Entgegen anderslautender Gerüchte, die in den ersten Tagen nach dem Unglück durch die Stadt schwirrten, wurde das Schloss bis 1935 wieder aufgebaut.

Die NS-Zeit

Das katholisch geprägte Limburg war 1933 eine Zentrumshochburg. Die Wahlergebnisse der NSDAP blieben deutlich hinter denen des Zentrums zurück. Dennoch hissten die Nationalsozialisten am 7. März 1933 auf dem Rathaus die Hakenkreuzfahne, Bürgermeister Krüsmann wurde seines Amtes enthoben und Friedrich Eichhorn zum seinem kommissarischen Nachfolger ernannt. Am 3. April wurden die Geschäfte jüdischer Inhaber boykottiert.
Die 700-Jahr-Feier des Doms 1935 bot den Limburger Katholiken Gelegenheit zu einer Selbstdarstellung, bei der die Kirche erproben konnte, wie weit sie mit der Demonstration ihrer Kraft gehen konnte. Wenige Wochen später konterte die NSDAP mit mehreren Großveranstaltungen unter Einbeziehung reichsweit bedeutender Politiker und Funktionäre.
1938 wurde die Synagoge an der Schiede durch den SS-Sturm 7/78 zerstört. Das Gebäude brannte aus, was den Flammen entging, wurde an den folgenden Tagen geplündert oder zerstört. Zugleich wurden mehrere Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Limburger verwüstet. Zahlreiche Juden verließen die Stadt, um zunächst in Frankfurt oder andernorts Sicherheit zu finden, aber 70 fielen der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer. An sie erinnert eine Stele auf dem jüdischen Friedhof.
Nachdem es fast 800 Jahre lang in Limburg nur einen Lahnübergang gegeben hatte, änderte sich dies im November 1939 mit der Einweihung der Autobahnbrücke. Das Bauwerk nach Plänen des Architekten Paul Bonatz fand aufgrund seiner Ästhetik große Anerkennung. 1945 fiel sie einem Sprengkommando der Wehrmacht zum Opfer.
Während des Zweiten Weltkrieges starben 378 Limburger als Soldaten, 195 zivile Opfer waren zu beklagen. Die Stadt wurde wiederholt bombardiert, doch blieb die Altstadt weitgehend verschont. Ziel war vor allem das Gebiet um den Bahnhof und das Reichsbahnausbesserungswerk. Im März 1945 marschierten amerikanische Soldaten in Limburg ein. Dabei kam es in letzter Minute noch zu Schusswechseln, bei denen es zahlreiche Tote gab. 

Nach 1945

Zum neuen Bürgermeister wurde der langjährige Leitende Beamte der Stadtverwaltung, Joseph Schneider, eingesetzt. Seine Aufgabe war es, das Leben in der Stadt wieder in Gang zu bringen. Er erfreute sich großer Beliebtheit und Anerkennung, so dass er bis 1960 immer wieder im Amt bestätigt und schließlich bei seinem Ausscheiden mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet wurde.
1946 fand die erste Gemeindewahl nach der Zeit der Diktatur statt.
Zweimal wurde Limburg Schauplatz von Dreharbeiten: 1953 wurden in Limburg Szenen des Spielfilms „Die kleine Stadt will schlafen gehen“ gedreht, 1961 für „Das brennende Gericht“.
1965 wurde Josef Kohlmaier zum Bürgermeister gewählt. Unter seiner Leitung begann für die Stadt eine rasante Entwicklung. 1967 wurde eine Städtepartnerschaft mit dem französischen St. Foy-lès Lyon eingegangen. Im gleichen Jahr erfolgte der erste Spatenstich für die Wohnstadt Blumenrod. 1968 wurde eine neue Lahnbrücke als Teil des 1982 fertig gestellten Schiedeprojektes errichtet. 1971 wurde der erste Schritt der kommunalen Gebietsreform vollzogen: Dietkirchen trat der Stadt Limburg bei, dem 1972 Ahlbach und Lindenholzhausen folgten. Im gleichen Jahr wurde das neue St. Vincenz-Krankenhaus auf dem Schafsberg eingeweiht. Die Gebietsreform wurde 1974 durch den gesetzlichen Zusammenschluss von Limburg mit Eschhofen, Linter, Offheim und Staffel abgeschlossen. Die neue Stadt zählte jetzt mehr als 28.000 Einwohner.
Seit den 1960-er Jahren wurde die Errichtung eines „Bürgerhauses“ in Limburg diskutiert. Ab 1970 wurden die Planungen konkreter, und 1977 wurde die neue Stadthalle in Betrieb genommen. Seit 1996 trägt sie den Namen des Bürgermeisters Josef Kohlmaier.
1982 wurde der bald über die Grenzen des Bistums hinaus populäre Franz Kamphaus der elfte Bischof von Limburg. Aufgrund seines bescheidenen persönlichen Lebensstils und zugleich der Fortführung der unter seinem Vorgänger begonnenen konsequenten Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils hoch angesehene und beliebte Geistliche prägte für 25 Jahre das Bistum und wurde kurz nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Amt zum Ehrenbürger der Stadt Limburg ernannt.
1985 legte Josef Kohlmaier sein Amt nieder. Neuer Bürgermeister wurde Wolfgang Rüdiger. Damit stand erstmals ein Sozialdemokrat an der Spitze Limburgs. Zu den herausragenden Ereignissen seiner Amtszeit gehörte 1989 der Besuch von 31 Limburgern jüdischen Glaubens, die nach 1933 in die Emigration gegangen waren.
1997 wurde erstmals der Bürgermeister direkt gewählt. Dabei setzte sich der Christdemokrat Martin Richard gegen den Amtsinhaber Peter R. Arnold (SPD) durch. 2003 und 2009 bestätigten die Bürger ihn im Amt.
Im Jahr 2000 wurde die Stadt für einen symbolischen Preis Eigentümer des Schlosses, wo sich u.a. seit 1977 das Stadtarchiv befindet.
Zu den bedeutendsten Entwicklungen am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts zählt zweifellos die Anbindung Limburgs an das neue ICE-Netz. 2002 hielt erstmals ein solcher Zug in Limburg, und 2004 wurde der neue Bahnhof auf der Anhöhe zwischen Limburg und dem Stadtteil Lindenholzhausen eröffnet. Es ist der bislang einzige Bahnhof in Deutschland, an dem ausschließlich ICE-Züge halten.
Im Jahre 2010 schließlich feierte Limburg den 1100. Jahrestag seiner erstmaligen schriftlichen Erwähnung.   

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